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Filip Nohe

Warum ich Parteimitglied der Linken geworden bin

Heute bin ich in Die Linke eingetreten. Ich war mir die letzten Jahrzehnte immer zu fein, um einer Partei beizutreten. Was hat sich jetzt geändert?

Ermöglicht wurde meine Entscheidung durch den Abgang der Wagenknechte. Seitdem ist mein Ekel verflogen. Leute wie Carola Rackete und Anke Domscheit-Berg unterstütze ich gerne.

Gereift ist mein Entschluss durch den Eindruck, dass es kaum noch eine hörbare linke Opposition gibt. In einem tagesschau.de-Artikel (ich finde ihn jetzt nicht mehr, vermutlich im Dezember) über die Haushaltspläne der Bundesregierung nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Schuldenbremse hat die Ampel ihre Ausgabenkürzungen verteidigt und dann wurden noch Union und AfD zitiert. Das wars. Die Idee, dass der Staat Steuern erheben könnte, gar von Leuten, die viel Geld haben, wurde nichtmal erwähnt.

Dann kam die zunehmende Erkenntnis, dass wir den Kampf gegen die Klimakrise verloren haben, danke Tadzio Müller, und es in Zukunft immer mehr darum gehen wird, ob wir den Kollaps irgendwie solidarisch gestalten können oder er von irgendwelchen MAGA-Milizen nach dem Recht des Stärkeren organisiert wird. „The Lost Cause“ von Cory Doctorow hatte da auch seinen Anteil dran.

Die Umfragewerte der AfD und ihre Deportationsplanungen haben mir jetzt den letzten Arschtritt gegeben. Es geht nicht mehr darum, ob ich mich zu 100% mit einer Partei identifizieren kann. Es geht darum, sich jetzt eindeutig auf eine Seite der Geschichte zu stellen. Auch aus folgendem Kalkül: Der Kampf gegen den Faschismus wird gleich eine persönlichere Angelegenheit, wenn man sich die privilegierte Option nimmt, später noch glaubwürdig als stiller Mitläufer durchzugehen.

Der Mitgliedsbeitrag ist nicht ohne, aber aus gutem Grund: Die Linke nimmt keine Parteispenden von Konzernen.

Jetzt bin ich also am 15.01.2024 Mitglied geworden. Zufällig übrigens am Todestag von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht. 🌹

(Ursprüngliche Veröffentlichung im Fediverse)